Der nordbayerische Raum wurde über Jahrhunderte hinweg von Handwerk und Industrie geprägt. Bereits früh wirkten in dieser Region globale und lokale Einflüsse zusammen und es bildete sich eine Wissensgesellschaft aus, in der ein direkter und indirekter Austausch von Erfahrungen, Innovationen, Traditionen und Ideen stattfand. Infolgedessen vermochten sich handwerkliche, technische, ökonomische und organisatorische Kompetenzen weiterzuentwickeln, sodass sich die Industriekultur in diesem Raum fest verankern und entfalten konnte. 
Entsprechend einschneidend traf die Region der seit den 1970er Jahren in weiten Teilen Europas einsetzende Strukturwandel, der eine Welle von Deindustrialisierungsprozessen anstieß und die Wirtschaftsregion in ihren Grundfesten ebenso stark erschütterte wie die Lebensentwürfe und Biographien der ansässigen Menschen. Die Themen Strukturwandel, Industrie- und Handwerksgeschichte sowie die Transformation von Arbeit bildeten nun auch Kernelemente der Bewerbung der Stadt Nürnberg um den Titel als Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2025. In diesem Rahmen fanden sich drei Museen – das Industriemuseum Lauf, das Museum Industriekultur Nürnberg und das Porzellanikon Selb – sowie das Institut für Fränkische Landesgeschichte (Thurnau) zusammen, um sich in einem gemeinsamen Oral-History-Projekt insbesondere der Folgen des Strukturwandels für die Lebensläufe und –modelle der Menschen anzunehmen. Wurden diese bislang weder dokumentiert noch öffentlich aufgearbeitet, sollen sie nun – auch nach der finalen Vergabe des Titels Kulturhauptstadt Europas 2025 an die Stadt Chemnitz – festgehalten, erforscht und öffentlich erfahrbar gemacht werden.​​​​​​​
Den Auftakt für das Kooperationsprojekt wird die Tagung „Region im Schleudergang. Strukturwandel in Nordbayern“ bilden. Mit ihr sollen an zwei Tagen Perspektiven für die wissenschaftliche Aufarbeitung und die Etablierung einer spezifisch regionalen Erinnerungskultur zum Thema Strukturwandel aufgezeigt sowie Gestaltungsmöglichkeiten vor diesem Hintergrund diskutiert werden. In einer abschließenden Podiumsdiskussion werden Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Gewerkschaft ihre Sicht auf Handlungspotentiale und Spielräume im Strukturwandelprozess zur Debatte stellen.
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